Frau Stieg

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Ehrfahrungsbericht Frau Stieg

Ich wurde 1947 als erste von 5 Geschwistern in ärmliche Verhältnisse hinein geboren. Mein Vater stammte aus Ungarn und blieb nach dem Krieg in Österreich, also galt er als Flüchtling. Meine Kindheit verlief, abgesehen von vielen Entbehrungen, normal. Ich hörte auch gut, bis zu meinem 14 Lebensjahr. Angefangen hat mein Hörproblem mit Rauschen und Pochen in beiden Ohren................................

Erfahrungsbericht Frau Stieg

Ich wurde 1947 als erste von 5 Geschwistern in ärmliche Verhältnisse hinein geboren. Mein Vater stammte aus Ungarn und blieb nach dem Krieg in Österreich, also galt er als Flüchtling. Meine Kindheit verlief, abgesehen von vielen Entbehrungen, normal. Ich hörte auch gut, bis zu meinem 14 Lebensjahr. Angefangen hat mein Hörproblem mit Rauschen und Pochen in beiden Ohren, ich habe dem keine Bedeutung beigemessen, da das hören noch nicht beeinträchtigt war. Nach der Schule fing ich als Haushaltshilfe in Deutschland zu arbeiten an. Einen Beruf zu lernen, dafür hatte mein Vater kein Verständnis, ich mußte Geld verdienen. Von da an, fing es auch mit den Hörproblem an, ich verstand nicht mehr alles. Meine Chefin ging mit mir zum Ohrenarzt, der Narben am Trommelfell feststellte, mich fragte er ob ich mal eine Mittelohrentzündung hatte. Ich konnte mich nicht erinnern in meiner Kindheit mal Ohrenschmerzen gehabt zu haben. Na, dann könnte es von einer Kinderkrankheit stammen, die sich auf das Trommelfell verschlagen hat. Ich bekam Trommelfellmassagen, dabei mußte ich einen Stöpsel ins Ohr halten und einen Apparat einschalten der Schwingungen ins Mittelohr beförderte. Das tat mir sehr gut und ich hatte das Gefühl die Ohrgeräusche werden leiser. Da ich aber sehr an Heimweh litt, kam ich wieder nach Hause. Hier hatte man keinen derartigen Apparat zur Verfügung, also wurde nun nur in die Nase geblasen, damit die Luft beim Ohr raus kam. Meine Hörprobleme wurden immer ärger, ich verstand immer weniger, wurde auf der Straße schon unsicher. 1974 da nahm ich mir ein Herz und fragte den Ohrenarzt, ob es denn keine operative Hilfe für mich gebe. Man schickte mich nach Graz und nach mehreren Untersuchungen, unter anderen ein Vertikularistest, wurde bei mir eine Otosklerose festgestellt. Man operierte nur einen Steigbügel ins Ohr. Ein halbes Jahr darauf war ich total Taub. Ich versuchte noch mal eine Untersuchung in Wien, doch man sagte mir ich müsse mich damit abfinden, es gibt für mich keine Hilfe. Für mich brach eine Welt zusammen, ich wollte nicht mehr leben. Ab da hätte ich die Rechnung ohne meinen Mann gemacht, und da war auch noch unsere Tochter, damals 7 Jahre. Mein Mann bemitleidete mich nicht. Nun hatte ich nur meine Ohrgeräusche, rauschen, klingeln, läuten, so als hätte ich eine Fabrik im Ohr, ich dachte mir, das ist immerhin besser als totale Stille. Von da an schaute ich den Menschen auf den Mund wenn sie redeten und ich brachte mir dabei ganz gut das Lippen lesen bei. 1986 dann der zweite Schock, unsere geliebte Tochter, damals 19 Jahre, verunglückte mit ihrem Freund tödlich. Ich war untröstlich, dieser Schock war ärger als das Gehör zu verlieren. Es vergingen noch 11 Jahre bis mein Mann im Fernsehen einen Bericht von einem Cochlear Implantat sah. Obwohl ich öfters beim Ohrenarzt war hat man mir eine Operation für ein Cochlear Implantat nie angeboten. Das war unverständlich für mich. Diesen Ohrenarzt sprach mein Mann dann wegen einem Cochlear Implantat an. Er schickt mich nach Salzburg zur Untersuchung, ob ein Cochlear Implantat für mich wohl in Frage käme, denn der Gehörnerv muss in Ordnung sein, die Untersuchung verlief positiv. Ich bekam aber noch keinen Operationstermin. Prof. Albegger meinte, ich soll mir das gut überlegen und auch bei anderen Patienten Erfahrungen einholen. Da ich 20 Jahre total Taub war kann es sein, dass ich zwar wieder hören würde aber mit dem verstehen Probleme haben könnte. Nach 3 Monaten entschloß ich mich zur Operation, ich war damals 50 Jahre alt. Die Operation verlief gut, vor der Erstanpassung hatte ich Angst, wie wird

 

 

es sein, werde ich wohl hören? Nach 3 Wochen dann die Erstanpassung und da sollte ich nach 20 Jahren Taubheit sagen wie die Töne sind, ob sie laut, mittel oder leise sind, hoch oder tief, es war für mich sehr schwer. Aber ich hörte wieder, dass war für mich wie ein Wunder, obwohl ich noch nichts verstand. Ich brauchte viele Einstellungen und manchmal glaubte ich, bei der CI - Einstellung falsche Angaben zu geben. Ich machte Hörtraining und war auch 3 Wochen auf Hörtrainingskur in „Bad Grönenbach“. Dort sah ich dann, dass auch andere Probleme mit dem verstehen haben. Die 3 Wochen in Bad Grönenbach haben aus mir einen neuen Menschen gemacht. Nach 7 Jahren entschloss ich mich für ein zweites Cochlear Implantat. Mit diesem höre und verstehe ich wesentlich besser als mit dem Ersten, es ist wohl besser entwickelt. Mit Beiden habe ich noch Probleme, wohl auch, weil ich immer nur das bessere Gerät nehme. Aber im Großen und Ganzen bin ich mit dem was ich höre und verstehe sehr zufrieden, ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen. Für diesen Traum kann ich mich gar nicht genug bei Prof. Albegger uns seinem Team sowie den Logopäden und vor allem den Techniker bedanken. Ich kann nur allen Müttern deren Kindern Taub sind und allen Spätertaubten rate, sich ein Cochlear Implantat implantieren zu lassen.

Anmerkung der Redaktion:
Otosklerose:
Die Otosklerose ist durch eine sich langsam entwickelnde, schubweise auftretende Schwerhörigkeit gekennzeichnet. Diese kann bis zur Taubheit führen. Die Ursache sind entzündungsähnliche Umbauprozesse des Knochens mit Fixierung der Steigbügelfußplatte im Mittelohr. Oft besteht gleichzeitig ein Tinnitus. Genetische, virale und hormonelle Einflüsse spielen ursächlich eine Rolle. Die Therapie der Wahl ist eine Operation, bei welcher die Schwingungsfähigkeit der Gehörknöchelchenkette wieder hergestellt wird.


Falls Sie Fragen haben oder persönlich mit Frau Stieg Kontakt aufnehmen wollen, dann melden Sie sich bitte bei der Redaktion! Danke

   
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