Ein langer Weg...

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Mein Weg begann am 20.12.1996 als ich als „Frühchen" (31. SSW) auf die Welt geholt wurde. Die Ärzte meinten, dass es besser für mich wäre. Ich hatte mit vielen Problemen zu kämpfen.  Als die gröbsten Probleme beseitigt waren blieb unter anderem eine „Hörschwäche" (innere Schwerhörigkeit) übrig (sagten die Fachärzte, wo auch immer in Österreich). .......

Ein langer Weg!

Mein Weg begann am 20.12.1996 als ich als „Frühchen" (31. SSW) auf die Welt geholt wurde. Die Ärzte meinten, dass es besser für mich wäre. Ich hatte mit vielen Problemen zu kämpfen.  Als die gröbsten Probleme beseitigt waren blieb unter anderem eine „Hörschwäche" (innere Schwerhörigkeit) übrig (sagten die Fachärzte, wo auch immer in Österreich).

Als ich 10 Monate alt war mussten meine Eltern beruflich nach Großbritannien und die Ärzte, in Wien, meinten ein Hörtest wäre nicht schlecht. Bis dahin war es mir nicht aufgefallen, dass ich schlecht hörte. Ich reagierte auf meine Eltern und plapperte so vor mich dahin.

Nun war es doch soweit, ich wurde endlich mit Hörgeräten versorgt.

Die nötige Anpassung und Einstellung wurde vorgenommen, ich lernte mit dem „Ding" umzugehen. Es ging mehr schlecht als recht, meine Eltern wussten es damals nicht besser und trotzt nach- und hinterfragen mussten sie die "aus heutiger Sicht fragwürdigen" Aussagen der diversen „Fachleute" akzeptierten. Die „Fachleute" verneinten auch die Möglichkeit eines Cochlear-Implantats, da ich für diesen Eingriff ja zu gut hören würde. In meiner Zeit im Ausland flogen oder fuhren meine Eltern regelmäßig nach Österreich zur Kontrolle meiner Hörgeräte. Nach meinen Auslandsaufenthalten in Großbritannien und Ungarn ging es wieder nach Hause, nach Österreich.

Es dauerte bis zu meinem fünften Lebensjahr, bis meine Eltern eine liebe Frau trafen, die als Frühförderin tätig ist. Diese Frau war doch sehr erstaunt mit welchen „Ding" am Ohr ich mich da herum quellen musste. Sie stellte einige Fragen in den Raum und meine Eltern begannen das Thema Hörbeeinträchtigung nochmals neu zu überdenken. Nach einem Hörgeräteakustikerwechsel in ein anderes Bundesland (nicht in Wien) wurde mir ein neues Hörgerät angepasst und somit eine neue Welt geöffnet. Man soll es nicht glauben, die Geräte waren up-to-date, die Schläuche wurden auf einmal eingeklebt, die Ohrplastik wurde weiter ins Ohr angepasst und es wurde in der ersten Zeit eine ¼ Jährige Kontrolle vereinbart. Meine Eltern dachten, was soll das jetzt alles, machen sich die jetzt nur wichtig damit sie uns zeigen können was nicht alles machbar ist? Nein, nach kurzer Zeit ca. 2 Monate konnte ich mit dem neuen Hörgerät ganz neue Eindrücke wahrnehmen und mein Leben wurde bunter und freundlicher. Bei der ersten Kontrolle musste ich das ganze Prozedere wieder über mich ergehen lassen, Hörtest mit und ohne Kopfhörer, ich durfte jedes mal wenn ich etwas hörte einen bunten Stein in eine Form geben - das war lustig - . Bei den Hörgeräten wurde eine Feinjustierung vorgenommen und auf meine Bedürfnisse eingestellt.

Was war den eigentlich in meinen ersten 5 Lebensjahren mit den Hörgeräten los? Warum ging das nicht gleich so toll? Diese Fragen werden wir wahrscheinlich nie klären können?! :-)

Ich war in einem Integrationskindergarten (Regelkindergarten) in Wien. Leider war ich das einzige Integrationskind mit Hörgeräte. Ich hatte wieder einmal Glück und hatte eine „Tante" die Gebärdensprache schon einmal gelernt hatte bzw. wieder einen Kurs besuchte. Alle waren sehr nett zu mir. Nur Nacherzählen, -spielen und Lieder lernen - konnte ich nie. Jetzt war es an der Zeit für die Schule. Nur WELCHE ?!

Leider ist die Schulanzahl für Hörbeeinträchtigte Kinder in Wien nicht wirklich groß. Es gab für mich 2 Schulen zur Auswahl, eine in Wien 22 und eine in Wien 13. Meine Eltern entschieden sich für die Schule im 13. Bezirk. Ich wurde jeden Tag von einem Schulbus bei mir zu Hause im 10. Bezirk abgeholt und in die Schule sowie nach Hause gebracht. Die Tage wurden dadurch ziemlich lange den ich war erst immer um 17Uhr30 Uhr zu Hause. Ich möchte natürlich auch spielen und faul sein wie die anderen auch. Dafür blieb mir halt etwas weniger Zeit über als anderen, aber ich hab das auch hinbekommen.

Ich lernte andere Kinder kennen die auch ein Hörgerät od. ein Cochlear Implantat haben bzw. die Gebärdensprache beherrschen. Ich bin doch nicht allein!! Ich habe auch gute Klassenlehrer die mich fördern. Die Gebärdensprache bekomme ich unterstützend unterrichtet damit ich die Dinge auch verstehen (begreifen) kann. Meine Eltern und mein Bruder (6 Jahre) lernen auch die Gebärdensprache. Das gefällt mir sehr, denn da bin ich die Lehrerin zu Hause. Ich komme jetzt in die 4. Klasse Volksschule und es gefällt mir immer noch in der Schule. Ich bin froh, dass ich jetzt mit meinen Hörgeräten (wir nennen sie liebevoll Hörchen oder Ohren) meinen Lebensalltag bestreiten kann und mich in der Schule weiterbilden kann. Die Lautsprache wird zwar immer etwas problematisch sein, aber ich gebe nicht auf und die Technik entwickelt sich ja auch weiter. Ich habe jetzt einen speziellen Funkkopfhörer bekommen der es mir ermöglicht beim Fernsehen das Zimmer zu verlassen und trotzdem nichts zu versäumen. Diese Technologie gibt mir auch wieder ein Stück Freiheit.

Meine Eltern sprechen jetzt wieder viel von einem Cochlear Implantat. Da ich den Lehrplan für Gehörlose habe (d.h. 5 Jahre Volksschule) und die 4. Klasse „freiwillig" wiederholen werde, damit ich für die nächst höhere Schule wirklich sattelfest bin, ob die Operation nicht schon jetzt gemacht werden sollte. Meine Eltern fragen sich immer wieder ob mir so ein CI viel bringen bzw. ob ich dadurch noch besser hören werde. Es kann aber keiner diese Frage beantworten.

Liebe Grüße

Lisa Lächelnd

   
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