Ein langer Weg Teil 2 Das CI...

Details

Nun ist es soweit die CI-OP steht an!

 

Ich dachte kurz zuvor, wir brechen es noch ab und verzichten auf die Möglichkeit. Wie kam es dazu? Ich hatte sehr viel im Internet recherchiert und gelesen. Meldungen von 1994 bis jetzt strömten auf mich ein und ich wusste nicht mehr was ich nun tun sollte. Die möglichen Komplikationen und „Nebenwirkungen“ haben mich total überfordert! Trotzdem wollten wir uns später nicht vorhalten lassen, dass wir Lisa noch einige Jahre des besseren „Hörens“ genommen hätten. Die Technik ist heute schon so weit und man sollte die Möglichkeit nutzen. Trotzdem darf man nicht mit zu hohen Erwartungen an die Sache ran gehen. Lieber am Schluss eine positive Überraschung!

 

Sonntag den 10.06.2007

Am Vatertag mussten wir um 16:00 Uhr im Wiener AKH sein. Es war ein sehr schwerer Gang! Nach 2 Nächten ohne Schlaf wurde es auch nicht einfacher. Lisa hatte mindestens so viel Angst vor der OP wie wir. Das Mutter- Kindzimmer machte es auch nicht wirklich einfacher und Karin hatte es besonders schwer. Sie wird mit in den OP-Bereich zur Vorbereitung gehen, ich musste ja in die Arbeit und mich um Thomas kümmern. Ich muss sagen, ich könnte auch nicht tauschen, denn das würden meine Nerven nicht aushalten.

 

Montag, 11.06.2007

Nun geht’s ans eingemachte. Um 11:00 Uhr ist die OP vorgesehen.

Um ca. 9:00 Uhr ging es runter auf Ebene 9 zur Vorbereitung. Die „Koje“ Nummer 10 war die unsere. Um 09:41 Uhr ging es in den OP. Nun lagen alle Nerven Plank und die Gefühlswelt brach zusammen. Ich sitze nun im Büro und schreibe alles nieder, was mir einfällt und Karin geht auf der Alserstrasse spazieren um sich etwas abzulenken. Das geht natürlich nicht, aber irgendetwas muss man die nächsten 2 Stunden ja tun. Ich hoffe, dass es auch den gewünschten Erfolg bringt und alles gut geht. Wenn die OP erst überstanden ist kommt zwar noch ein langer Weg, aber der ist dann auch noch bewältigbar. Es ist nun 11:30 und es reicht ich meldete mich in der Arbeit ab und fuhr ins AKH. Um 11:45 vor dem OP-Bereich III (Aufwachraum) eingetroffen, sitz Karin schon dort. Wir unterhielten uns über alles möglich um die Zeit tot zu schlagen.  Es war kurz vor 12:00 Uhr als ein Mann unsren Namen rief und wir nach dem anlegen des weißen Mantels in den Aufwachraum durften. Lisa wurde gerade vom OP-Bett auf das bereitgestellte Bett im Aufwachraum gehoben. Nun waren wir in der „Koje“ Nummer 8. Als die Sättigung angeschlossen wurde und diese 97% anzeigte war uns schon etwas leichter. Prof. Baumgartner kam und meinte: Die OP ist super verlaufen und es geht Ihr gut. Wir haben die gesamten 30 mm in die Schnecke eingelegt. Wir haben ganz vorsichtig gebohrt und festgestellt, dass Lisa keine Flüssigkeit im Ohr hatte. Wie sie, ohne Flüssigkeit, mit den Hörgeräten, zu so guten Werten kam ist uns nicht wirklich klar. Lisa öffnete die Augen und ihre ersten Worte waren CI, danach schlief sie wieder ein. Nach mehreren Wachphasen kam sie immer mehr zu sich und wollte nur wissen ob alles OK sei und rauf auf die Station. Um 13:30 Uhr rief eine Schwester oben auf der Station an um das „Taxi“ zu bestellen. Laut Jugendschutzgesetz muss bei Kindern unter 14 Jahren eine Schwester und ein Pfleger beim Transport von Aufwachraum in die Station dabei sein. Nach nochmaliger telefonischer Intervention traf die Schwester und der Pfleger um 14:00 Uhr ein und es ging rauf auf die Station. Nun ein kleiner Überblick über den OP-Verlauf mit ca. Angaben (da ich ja nicht dabei war und die Zeiten nur von einem Bericht abgeschrieben habe):

09:41 Uhr - Ab in den OP

09:45 Uhr - Start

09:50 Uhr - Narkose

10:00 Uhr - Schnitt

 bis ca. 11:25 Uhr implantieren

11:30 Uhr - Nähte

11:35 Uhr - Extubieren

11:37 Uhr - Verband anlegen

12:00 Uhr - Raus in den Aufwachraum

14:00 Uhr - am Zimmer

Auf der Station angekommen vielen uns die letzten Steine von der Brust. Es war überstanden!!

Alle unsere Zweifel lösten sich in Luft auf und ich war das ersten mal froh diesen Schritt gemacht zu haben. Lisa hatte großen Durst und probierte etwas zu trinken (1 Teelöffel voll). Das hatte gereicht und sie musste erbrechen, wir wussten, dass es so kommen musste. Bei Lisa ist das nach einer Narkose noch nie anders gewesen. Dies ging auch noch den ganzen Tag und die ganze Nacht so. Ein wenig rein und wieder raus. Lisa freute sich über Ihre Geschenke für die Glanzleistung die sie wieder einmal vollbrachte (Natürlich wieder alles von der Diddlmaus).

 Dienstag 12.06.2007

Lisa musste nach der Visite aufstehen und in den Verbandsraum gehen. Der Verband wurde abgenommen und durch einen kleineren ersetzt. Nun kann Lisa auf dem rechten Ohr wieder Ihr Hörgerät benutzen. Nach dem kurzen Spaziergang wurde Ihr doch wieder übel und sie erbrach. Aber wie schon erwähnt ist das bei Lisa normal. Karin vielen einige kleine Probleme mit dem Gleichgewicht auf, der Kreislauf ist noch etwas beleidigt. Jetzt bekommt Lisa 2 Infusionen (gegen Schmerzen und Antibiotika). Das Fernsehen macht auch schon Spaß und das Malen ist ebenso schon möglich. Lisa darf natürlich alles essen und trinken (Wenn sie es drinn behält). Lisa freut sich schon auf den bevorstehenden Besuch von Papa und Thomas, denn die bringen ein Eis mit. Für Mittwoch hat sich die Lehrerin von Lisa angesagt und Lisa freut sich tierisch darauf. Lisa wurde von den Infusionen auf Tabletten umgestellt (Antibiotika und Schmerzmittel). Sie klagt nicht über Schmerzen und fühlt sich aber noch etwas matt. Sie bricht nicht mehr so viel. Erdbeer-Lattella und Cola schmeckt auch schon wieder. Glück- und Genesungswünsche von den Freunden und Freundinnen helfen Ihr sehr und die Freude ist sehr groß.

 Mittwoch 13.06.2007

Die erste Nacht wo sie durch geschlafen hat ist nun auch vorüber und Lisa ist heute echt toll drauf. Sie hat Karin schon 5x beim Uno spielen geschlagen und es ist erst 09:00 Uhr. ;-)

Das wird hart für Karin, sie verliert ja auch nicht gerne. Nach der Visite und dem Besuch von Herrn Prof. Baumgartner steht ein Spaziergang durch das Krankenhaus und ein kurzer Besuch im Park an. Am Nachmittag kommt Mario-Oma und die Lehrerin auf Besuch. Mario-Oma bringt Eismarillenknödeln mit „Mhhhh, Lecker“, Lisa freut sich riesig. Heute muss sie Herrn Prof. Baumgartner fragen warum es zuerst geheißen hat, dass sie nur 4x im Spital schlafen muss und jetzt auf einmal 5x. Ich bin gespannt wie er Ihr das erklärt. Heute wird auch noch mal abgeklärt wie es weiter geht und wann die nächsten Kontrolluntersuchungen stattfinden.

 Donnerstag 14.06.2007

Keine besonderen Vorkommnisse !

 Freitag 15.06.2007

Wir gehen nach Hause!!

Einige Fragen stehen noch an, aber diese werden noch geklärt.

Fitting ist auch noch ein Thema und wann kommt der HDO-Prozessor? Lisa ist schon sehr gespannt wie das weiter geht. Sie wurde bereits im Vorfeld darüber aufgeklärt was noch alles ansteht und das sie noch viel lernen muss.

 Noch ein paar Worte zu Thomas (Bruder von Lisa, fast 7 Jahre alt) 

Thomas wurde von Anfang an miteingebunden und aufgeklärt was denn da passiert. Es hat ihn auch sehr mitgenommen, dass Lisa schon wieder eine Operation hat. Am 11.06.2007 hatte er seine erste Streifenprüfung in Jiu Jitsu. Er war traurig, dass Lisa und Mama nicht dabei sein konnten. Er hat es aber mit Fassung getragen und verstanden, dass die OP wichtig ist. Er hat bestanden und musste es gleich per Telefon mitteilen. Er durfte die ganze Zeit in Mama’s Bett schlafen und das half auch ein wenig. Es ist ganz wichtig, dass auch er in das Projekt und die Nachbetreuung miteingebunden ist und ein Teil davon ist.

Abschließend kann ich nur sagen, Information ist alles!! Die Eltern und das Kind (ab einem gewissen Alter) müssen von Anfang an in die Entscheidung miteingebunden werden! Es darf nicht über den Kopf des Kindes hinweg entschieden werden. Das Mitbestimmungsrecht des Kindes muss gewahrt sein. Man kann Kindern ab einem bestimmten Alter die Situation erklären und sie verstehen es auch. Man sollte sich zuerst die „CI-Szene“ genau anschauen und sich etwas einleben, um die verschiedenen internen Positionen der Szene einschätzen zu können. Es gibt viele Selbsthilfegruppen und Vereine, alle haben sie ein Pro und ein Kontra auf Lager. Die Entscheidung kann man aber nur im Familienverbund beschließen. Ich finde man sollte immer das Wohl des Kindes in den Fordergrund stellen und das Thema, so weit es geht, pragmatisch angehen. Bringt es etwas für mein Kind, wie geh ich es an usw. Viele Meinungen können auch verwirren. Ich möchte hier nur 2 Institutionen hervorheben: Herrn Jank von ÖCIG und die Mitglieder vom Selbsthilfeverein Burgenland und Niederösterreich. Zeitdruck ist das schlimmste was geschehen kann. Die Entscheidung braucht viel Zeit um die Informationen zu bekommen und zu filtern. Implantiert wird wann man bereit ist und nicht wann die Operateure Zeit haben, denn dies ist ein wichtiger Punkt im Leben eines Kindes und deren Eltern und nur diese bestimmen wann und wo! Die Nachbetreuung ist auch so eine Sache, aber dazu kann ich erst berichten wenn ich die Erfahrung gemacht habe. Man sollte sich jedoch schon vor der Operation Gedanken darüber machen. Das ganze Paket muss stimmen und in sich schlüssig sein.

 

Bis zum nächsten Bericht.

 

Liebe Grüße an alle

Lisa, Thomas, Karin und Mario Marcik

 
   
© 2012 allesprechenmit.net Template von ALLROUNDER und cms/Joomla